Denkanstöße zum Thema „Musik verkaufen“

Veröffentlicht am · Autor: Chris

Wie kann ich eigentlich meine Musik verkaufen? Eine Frage, die sich wohl jeder Musiker irgendwann einmal stellen wird, aber spätestens vor der Veröffentlichung des ersten Albums  beantwortet werden muss. Die einen gehen die Musik verkaufen - StraßenmusikerKommerzialisierung ihrer liebevoll erschaffenen Songs eher zögerlich an, die anderen springen voller Erwartung ins kalte Wasser oder geben die Verantwortung doch lieber an andere ab. Am Ende des Tages bleibt ersteren allerdings leider keine große Wahl, wenn sie ihr Leben mit ihrer Musik (wenigstens teilweise) finanzieren wollen. Wir möchten hier einige Denkanstöße geben, wie bzw. wo ihr eure Musik verkaufen und optimal veröffentlichen könnt, um dennoch so weit wie möglich unabhängig zu bleiben. Dazu muss man zwischen den zwei verschiedenen „Welten“ natürlich differenzieren. Da das Internet nebenbei auch ein wichtiger Promotionfaktor ist, um Personen zu erreichen, die man im realen Leben womöglich noch nie gesehen hat, sehen wir uns erst einmal die Möglichkeiten der virtuellen Welt an.

Online Musik verkaufen

Wenn ihr eure Songs digital unter die Leute bringen wollt, hat das einen besonderen Vorteil: Nach dem erfolgreichen Mastering fallen für euch keine weiteren Kosten an, oder? Falsch, denn entweder müsst ihr selbst auf eurer Website einen Music Store einrichten, bei dem mindestens Transaktionskosten entstehen. Da die wenigsten Musiker allerdings die Fähigkeit und Zeit besitzen, selbst einen Music Store zu entwickeln, der möglichst hochqualitative Sounddateien übertragen kann, würden hierbei definitiv Entwicklungskosten anfallen. Deswegen ist man wohl besser beraten, wenn man sich hierfür Alternativen sucht.

Eigener Music Store bei iTunes & Co. oder Distributor?

Es mag sein, dass die Wahrscheinlichkeit durch die große Nutzerzahl bei iTunes, Amazon und Google Play höher ist, um noch unbekannte Fans zu erreichen, als bei Plattformen wie bandcamp oder Inicat. Allerdings sind es doch meist eher die eigenen Fans, die eure Musik kaufen bzw. ihren Freunden weiterempfehlen werden. Somit beeinflusst also die breite Masse an Musikern durch geschickte Eigenpromo bzw. Kommunikation mit ihren Fans, wo und wie diese den Musiker unterstützen. Twitter-Tipps für Musiker (3)Wenn Zeitschriften, Musikmagazine und andere über euer Album berichten, die kein Affiliate-Partner von Amazon oder ähnlichen Stores sind bzw. nicht explizit darauf bestehen, dass ein Link zu eurem Album bei einem bestimmten Store gesetzt werden muss, dann spielt hier natürlich auch eure Eigenpromo eine Rolle. Sollten diese Musikmagazine, etc. es erlauben, kann ein Link zu eurer bevorzugten Seite gesetzt werden kann, welcher im besten Falle ein Link zu eurer eigenen Website ist, auf der man leicht den Link oder eingebundenen Store eures bevorzugten Music Stores finden kann. Um das etwas besser zu verdeutlichen:

Ihr habt euer Album beispielsweise bei Amazon, aber auch bei Inicat veröffentlicht. Wenn ihr allerdings schon die Promotion selbst machen müsst, um eure Fans auf euer neues Album hinzuweisen, dann ist es natürlich sinnvoll diese dort hinzuleiten, wo ihr mehr von der (finanziellen) Unterstützung eurer bereits bestehenden Fans erhaltet. Das heißt allerdings nicht, dass ihr auf die großen Stores unbedingt verzichten solltet. So könnt ihr gleichzeitig herausfinden, ob es tatsächlich eine große Anzahl womöglich unbekannter Fans gibt, die über z.B. Amazon auf eure Platte gestolpert sind und eure Songs gekauft haben oder doch eher eure bestehenden Fans und deren Freunde für die Unterstützung gesorgt haben, die durch eure Eigenpromo und das daraus womöglich resultierende Schneeballsystem auf die Platte aufmerksam geworden sind.

Die Zusammenarbeit mit einem Distributor wird allerdings dann erforderlich, wenn ihr, aus welchen Gründen auch immer, eure Musik bei iTunes veröffentlichen möchtet. Denn im Gegensatz zu den beiden anderen Riesen, Amazon und Google Play, ist es dort nicht ohne einen sogenannten „Aggregator“ möglich, seine Musik verkaufen zu können. Als Aggregator kann man zudem nur agieren, wenn man neben weiteren zu erfüllenden Bedingungen einen Albenkatalog von mindestens 20 Alben vorweisen kann. Als Einzelmusiker ist das also so gut wie unmöglich. Bei Google Play und Amazon gibt es zumindest die Möglichkeit einen Händleraccount zu erwerben, um seine Musik zu vertreiben. Zusätzlich darf man natürlich nicht vergessen, dass dennoch mindestens 30% der Verkaufseinnahmen + Transaktionsgebühren (+ die einmalige bzw. monatliche Zahlung für die Erstellung und Bereitstellung des Accounts) bei diesen Stores bleiben. Das gilt natürlich ebenfalls, wenn man seine Songs gemütlich von einem Distributor in diese und viele weitere Music Stores vertreiben lässt. Hier zahlt ihr meistens entweder einen Monats- bzw. Jahresbeitrag, beteiligt den Distributor prozentual an den Gewinnen oder es ist eine Mischung aus beidem. Allerdings ist dies immer zusätzlich zu den prozentualen Abzügen der jeweiligen Online Stores. Wenn ein Distributor also damit wirbt, dass ihr 100% eurer Einnahmen behaltet, dann besagt dies lediglich, dass der jeweilige Distributor nicht prozentual an euren Einnahmen beteiligt ist, der Online-Store, über den eure Musik verkauft wird, tut dies allerdings schon. Die Aussage, dass ihr zu 100% an euren Einnahmen beteiligt seid klingt natürlich sehr verlockend. Auch hier solltet ihr die Transaktionsgebühren des Shops und ggf. des Distributors beim Abwägen nicht übersehen. Die genaue Aufschlüsselung der euch anfallenden Kosten findet ihr meist auf der „Pricing“- oder „FAQ“-Seite des jeweiligen Distributors bzw. Online-Stores.

Musik verkaufen - KetteEs ist also so wie immer: Beim Verkauf der Musik zahlt man mehr bzw. verdient am Ende prozentual weniger, je länger die Kette zwischen dem Produzenten der Musik (Musiker) und dem Hörer (Fan) wird. Je länger die Kette wird, umso versteifter wird sie meist auch und schränkt euch somit in den Vertriebsmöglichkeiten eurer Musik ein. Darum ist es immer wichtig darüber nachzudenken, inwieweit die jeweilige Dienstleistung tatsächlich Arbeit abnimmt und ob der Gewinnanteil akzeptabel ist. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass bei „Direct-to-customer“-Plattformen wie bandcamp und Inicat die Option für Fans besteht, auch mehr zu bezahlen, um den jeweiligen Musiker finanziell zu unterstützen, welche auch häufig in Anspruch genommen wird, wenn Musiker diese Seiten in ihre Eigenpromo einbauen. Bei Verträgen mit Labels und Distributoren sollte man demnach darauf aufpassen, dass es sich dabei nicht um Exklusivverträge handelt, die einem diese Optionen verbauen.

Wie ihr bestimmt bemerkt habt, ging es in diesem Teil, vorwiegend um den Verkauf von digitaler Musik (bzw. um Musik, die sich nicht auf einem physischen Tonträger befindet). Streaming-Dienste wurden hierbei bewusst nicht angesprochen, da diese nur ein geringes finanzielles Plus erbringen, jedoch für Promotionzwecke durchaus sinnvoll sein können (siehe YouTube, etc. oder der Möglichkeit bei bandcamp und Inicat die Songs vorhören zu können, bevor man sie kauft). Was sind eure Erfahrungen bezüglich des Verkaufs von Musik im Internet? Schreibt es in die Kommentare und lasst uns gerne ein wenig darüber austauschen. 🙂

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