Interview mit Oskar Schuster

Veröffentlicht am · Autor: Chris

Hi Oskar, schön dich auf diesem Weg etwas kennenlernen zu können. Erzähle uns und den Lesern, die dich noch nicht so gut kennen, doch bitte kurz wer du bist und wie du zu deinem Musikstil gefunden hast.

Oskar Schuster InterviewHallo, vielen Dank! Ich bin Komponist, Pianist und „DIY Künstler“ und lebe in Berlin. Den Weg zu meinem jetzigen Stil kann ich nicht so einfach in Worte fassen, ich versuche es trotzdem: bis ich 25 Jahre alt war, habe ich zwar sehr viel komponiert, aber nichts davon veröffentlicht, der Stil meiner Kompositionen war auch sehr variabel, ich habe Musik komponiert, die man den unterschied-lichsten Genres zuordnen konnte. Mit meinem Umzug nach Berlin habe ich mich dann entschlossen, mein Studium abzubrechen und mich ganz der Musik und Kunst zu widmen. Mir war dabei klar, dass ich einen eigenen Stil entwickeln muss. Ich habe also einfach versucht, die Musik zu kreieren, die ich selbst gern hören würde. Natürlich hat mich dabei die Musik, die ich zu dem Zeitpunkt hauptsächlich gehört habe, sehr beeinflusst. Das waren Bands wie Beirut und Sigur Rós, aber auch klassische Klaviermusik von Schumann und Chopin und französische Chanson sowie elektronische Musik. Aus diesen Einflüssen heraus ist meine Musik entstanden und hat sich dann über die Jahre von selbst in eine bestimmte Richtung entwickelt, so dass man nun von einem eigenen Stil sprechen kann.

Du scheinst deinen Titeln gerne einen französischen Namen zu geben. Spielt hier der bekannte, französische Multiinstrumentalist, Yann Tiersen, mit dem du oft verglichen wirst, eine einflussreiche Rolle?

Oskar Schuster 4Ich gebe meinen Stücken generell gern Namen in verschiedenen Sprachen, ich mag fremde Sprachen und je mysteriöser sie klingen, desto besser, da ich möchte, dass die Hörer bei den Titeln ihre eigene Fantasie spielen lassen können und keine Clichées vor Augen haben. Viele meiner Titel sind auf Isländisch, vermutlich weil ich isländische Musik sehr mag. Französisch kommt auch immer mal wieder vor, das stimmt. Ich bin ein großer Fan von klassischer französischer Chanson-musik wie z.B. von Jacques Brel oder George Brassens und liebe die französische Sprache, vor allem, wenn sie gesungen wird. Der französische „Musette“-Einfluß in meiner Musik kommt also eher von diesen alten Chansons als von Yann Tiersen, dessen Amélie Soundtrack ich aber ebenfalls sehr schätze.

Komponist, Instrumentalist, Produzent und Designer in einer Person: Du bist wohl ein großer Verfechter des DIY, was?

Teils ist es auch unvermeidbar, wenn man nicht das Budget hat, um andere, wirklich gute Leute zu bezahlen und sich nicht an ein Label binden möchte. Außerdem habe ich sehr eigene und klare Vorstellungen von meinem Artwork und meinen Musikvideos und war auch schon immer sehr an Grafik, Fotografie und Film interessiert. Daher hat es sich bisher immer als die beste Option erwiesen, die Dinge einfach selbst zu machen. Hätte ich mehr Geld, würde ich aber vermutlich mit anderen Menschen zusammenarbeiten, denn es kommt mir vor allem auf ein möglichst perfektes Endergebnis an und das einzige, worin ich meines Erachtens wirklich „Profi“ bin, ist das Komponieren. Alles andere, auch das Klavierspielen, könnten andere sicher besser machen.

Warum bist du eigentlich nicht auch Sänger bzw. warum fügst du deiner Musik keinen Gesang hinzu?

Ich konnte noch nie gut singen, daher habe ich mich immer auf Instrumente konzentriert. Aber ich habe schon mit einer Sängerin aus Island (Possimiste) zusammengearbeitet und in Zukunft kommen wohl auch immer mal wieder Gesangsstücke mit ihr oder anderen Sängern.

In deinem neuen Album Tristesse Télescopique, welches am 04. September erschienen ist, verwendest du alte Spieluhren, Schreibmaschinen, Kameras und Uhrwerke – das klingt wie eine musikalische Reise durch die Vergangenheit…

Ich habe schon bei der Arbeit an meinem letzten Album („Sneeuwland“) damit begonnen, diese Klänge von verschiedenen mechanischen Geräten in meine Musik einzubeziehen. Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht mehr genau daran, woher die Inspiration dazu kam. Ich weiß nur, dass es mit einer Schreibmaschine begann. Ich hatte, glaube ich, per Zufall ein Video einer unbekannten Band entdeckt, welche auch eine Schreibmaschine bei eine Live Konzert benutzte. Nachdem das mit der Schreibmaschine bei dem Song „Sneeuwland“ so gut gepasst hat, war es für mich ganz natürlich, noch andere alte Geräte wie Kameras und Uhrwerke auszuprobieren. Auf „Tristesse Télescopique“ habe ich diese Geräusche aber sogar eher etwas zurückgefahren, Schreibmaschinen und Kameras sind seltener zu hören, dafür zieht sich durch fast jedes Stück leise das Ticken meiner alten Kaminuhr.

Welches ist für dich das merkwürdigste Instrument, das du in einen deiner Songs eingebaut hast?

Vermutlich die oben genannten mechanischen Geräte. Und eine per Lochkarten programmierbare, chromatische Spieluhr.

Inwieweit unterscheidet sich Tristesse Télescopique von deinen anderen Werken?

„Tristesse Télescopique“ ist etwas düsterer, die Harmonien sind ungewöhnlicher als bei meinen anderen Alben. Auch verwende ich hier zum ersten Mal „richtige“ Beats und kombiniere diese mit den Geräuschen von Schreibmaschine, Uhr, etc. Es ist also insgesamt etwas elektronischer und das Klavier rückt mehr in den Hintergrund bzw. wird mit Spieluhrklängen vermischt, so dass daraus so eine Art eigenständiges Instrument entsteht, eine Mischung aus Klavier und Spieluhr.

Mit dem Release deines Albums wurde auch das Musikvideo deines neuen Songs „Damascus“ veröffentlicht. In den Kommentaren des Videos habe ich gelesen, dass die Person im Video dieselbe ist, die dich inspiriert hat, den Song „Hannah‘s Traum“ zu schreiben. Nun stellt sich natürlich die Frage: Wer ist diese Hannah?

Hannah ist eine gute Freundin von mir hier in Berlin. Sie hatte mir mal gewünscht, dass ich von einer Melodie träumen soll und tatsächlich ist das dann in der folgenden Nacht passiert. Ein großer Zufall, da ich sonst noch nie eine Melodie „geträumt“ habe oder mich jedenfalls nicht mehr daran erinnern konnte. Aus dieser geträumten Melodie wurde dann das Stück „Hannahs Traum“.

Wird man dich mit deinem neuen Album Tristesse Telescopique live sehen können?

Ich möchte mich möglichst ganz auf den schöpferischen Aspekt von Kunst konzentrieren, deswegen gebe ich keine Konzerte. Noch dazu fühle ich mich extrem unwohl auf der Bühne. Insofern wird das wohl nicht passieren.

Welches Erlebnis in deinem Leben hat dich am stärksten geprägt?

Oskar SchusterEs fällt mir schwer, ein einzelnes Erlebnis herauszugreifen. Es gab kein absolut einschneidendes Erlebnis in meinem Leben. Es waren viele kleine Dinge, die mich geprägt haben und mich zu dem gemacht haben, der ich bin. In Bezug auf meine Musik bzw. die Entscheidung, Musik zu machen, kann ich ein kleines Erlebnis herausgreifen. Es hört sich nicht nach etwas Wichtigem an, aber es hat tatsächlich meinen weiteren Lebensweg bestimmt. Als ich 14 war kam in den Sommerferien ein Schulfreund zu Besuch. Er setzte sich an das Klavier in unserem Haus und spielte das „Fantaisie Impromptu“ von Chopin. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt zwar schon 8 Jahre Klavierunterricht gehabt, hatte aber noch nie ein Stück von Chopin oder einem anderen romantischen Komponisten gespielt und vermutlich auch nicht gehört. Das hat mir eine ganz neue musikalische Welt eröffnet und die Leidenschaft für das Klavierspielen und die Musik erst richtig in mehr geweckt. Seit diesem Tag war die Musik plötzlich der Hauptfokus in meinem Leben und es verging kein Tag ohne stundenlanges Klavierüben.

Welche Lebensweisheit würdest du anderen mit auf den Weg geben?

Ich bin ja kein Philosoph, sondern Künstler, daher vielleicht die falsche Person, um anderen Weisheiten mit auf den Weg zu geben. Ich finde aber, dass die Menschen viel zu schnell in allen Dingen etwas Negatives sehen oder befürchten, anstatt auf das Positive zu vertrauen und sich darauf zu konzentrieren. Ich denke, das führt zu vielen Problemen in der Welt.

Mehr zu Oskar Schuster unter: https://inicat.com/artists/oskar-schuster

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