Interview: In Dreams Of Reality über „Second Skin“ und Eskapismus

Veröffentlicht am · Autor: Chris

Hey Maik, du bist Shouter, Growler und zuständig für das Programming bei In Dreams Of Reality. Wer gehört noch zu deiner Band und was macht man als „Programmer“ in einer Band?

Also wir, In Dreams Of Reality, sind 6 junge Musiker. Jan Merce an der Lead Gitarre, Marco Prade an der Rhythmus Gitarre, Kilian Schröder an den Drums, Sebastian Skorek am Bass, Daniel Hapke an den Clean Vocals und – wie du korrekt gesagt hast mich, Maik Kassel, zuständig für Shouts, Growls, Screams, Rap-Parts und das bereits erwähnte Programming, was ich aber gerade auf unseren Drummer abschiebe. Der Begriff meint eigentlich die Arbeit an unseren Elektro-Synthies, bedeutet also viel Beschäftigung mit Sound Design und virtuellen Instrumenten.

In Dreams Of Reality liveIhr bezeichnet euch selbst als eine Modern Melodic Death Metal Band aus Siegen. Wie kann man sich das am besten vorstellen, wenn man euch bisher noch nicht gehört hat?

Der Grundgedanke unserer Musik ist den Tiefgang des Melodic Death Metal mit der Eingängigkeit und Energie des Metalcore zu verbinden. Aktuell schweift der Blick auch immer wieder in die Elektro Richtung, da kann man völlig andere Strukturen und Ideen finden, als in den Grenzen des Metal/Hardcore-Genres. Durch Daniels Stimme binden wir zudem eine Stimme, die eher Klangfarben aus dem Hardrock benutzt, ein, was uns auch vom klassischen Melodic Death Metal distanziert.

Als wir uns das erste Mal gesprochen haben, meintest du, dass dir der Song „Second Skin“ sehr am Herzen liege. Was verbindest du mit diesem Song?

Second Skin“ handelt von Drogenkonsum. Ich habe eine Zeit lang einen Freundeskreis gehabt, in dem man quasi zusehen konnte wie einer nach dem anderen den Bach runtergeht. Einige haben sich gefangen, andere nicht. Drogen meint hier nicht nur das verbotene Zeug, auch Alkohol zähle ich dazu. In „Second Skin“ schildere ich meine subjektive Beobachtung und Beurteilung zu dem Thema. Probleme führen in dem Text zu einer Entscheidung: Der einfache Weg oder der harte. Der einfache Weg führt zu den Drogen, der harte zur echten Problembewältigung. Lebenszeit ist auch ein wichtiger Ausdruck in dem Text. Es ist ja oft so, dass Drogenkonsum durch Mottos wie „Carpe Diem“ oder so etwas gerechtfertigt wird. Meiner Meinung nach verschwendet man durch Drogen nur seine Lebenszeit.

Das Ganze soll aber nicht missverstanden werden. Wir sind keine Straight Edge Band oder so. Ich bin auch nicht strikt gegen Alkohol oder Leute, die hin und wieder einen rauchen, aber mir geht es dabei um die Einstellung. Ich glaube zu beobachten, dass eine falsche Einstellung in der Jugend zu dem Thema wächst.

In Dreams Of Reality…And All My Nightmares Come Alive” aus eurer gleichnamigen EP habt ihr einmal mit einer männlichen und einmal mit einer weiblichen Leadstimme aufgenommen. Wie kam es zu den 2 unterschiedlichen Versionen?

Die gute Steffi hat uns von Anfang an bei diversen Aufgaben unterstützt. Wenn man genau hinhört, fällt einem auf, dass auch auf zwei anderen Tracks der CD Steffis Stimme zu hören ist. Die Aufnahme von „…And All My Nightmares Come Alive“ mit der weiblichen Stimme entstand tatsächlich sogar vor der Version mit Daniel – sogar noch bevor Daniel in der Band war. Das ganze stellt also quasi eine Art Relikt aus unseren Anfangstagen dar.

Wenn man sich den Titel eurer EP und die Lyrics zu euren Songs durchliest, klingt alles überwiegend recht düster. Was versucht ihr darin zu verarbeiten?

Im Metal klingt ja grundsätzlich erstmal alles sehr düster. Ich würde dir allerdings recht geben. Das Resultat ist bis auf „ReWrite“ – der ja eher ein Motivationstrack ist – wirklich sehr finster geworden. Es ist nicht so, dass ich mit den Texten negative Ereignisse in der Vergangenheit aufarbeiten möchte – die oben erwähnte Thematik von „Second Skin“ mal außen vor gelassen, viel mehr geht es mir darum, eine dunkle, verträumte Ästhetik zu erschaffen. Eskapismus ist ein gutes Stichwort für das, was die Texte hervorrufen sollen. Sie sollen dem Zuhörer das Gefühl geben, dass es in Ordnung ist, sich hin und wieder in eine eigene kleine Welt zu flüchten, fernab von Leistungsdruck, unlösbaren Problemen und Krankheit. In der Jugend wurde bei mir eine unheilbare Muskelkrankheit diagnostiziert, vielleicht hängt mein Wunsch nach gelegentlicher Realitätsflucht auch damit zusammen. In gewisser Weise benutzen wir die Musik und vor allem die Texte sicher auch als Ventil. Nach einer bescheidenen Woche tut es einfach gut „The lights go down, why even care?“ rauszuschreien.

Ist das Erleben von „Albträumen“ oder Ängsten eurer Meinung nach notwendig, um bestimmte Dinge später in der Realität bzw. im Leben besser einschätzen zu können?

Jemand in meinem persönlichen Umfeld hat sehr mit Albträumen zu kämpfen, die auch von realen Problemen in seinem engsten Umfeld handeln, allerdings hilft ihm diese allnächtliche Konfrontation in keinster Weise, also glaube ich nicht, dass das Erleben von Albträumen uns im realen Leben irgendetwas bringt. Bei Ängsten sehe ich das etwas anders. Bis Mitte letzten Jahres hatte ich Angst vor Katzen und Hunden. Dann haben wir uns ein Katzenbaby geholt. Jetzt liebe ich Katzen. Konfrontation war hier genau das richtige.

Was habt ihr mit „In Dreams Of Reality“ für die Zukunft geplant?

Das wichtigste für uns ist es jetzt erst einmal weitere Erfahrungen zu sammeln und unser Album an den Mann zu bringen. Wir wollen ja nicht stehen bleiben, also arbeiten wir hart an unserer Live Performance und neuen Songs. Wir haben in letzter Zeit immer mehr die Elektro Schiene für uns entdeckt und können sagen, dass in der Richtung in Zukunft noch mehr von uns kommen wird.

In Dreams Of Reality - ...And all my nightmares come alive

 

 

Alle Songs von In Dreams Of Reality aus ihrem neuen Album “…And All My Nightmares Come Alive” gibt’s hier zum Anhören und Downloaden: 
https://inicat.com/music/448

 

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Ich habe In Dreams of Reality schon oft live gesehen und diese Band geht bei Auftritten so ab, ich liebe es sie live zu sehen. Ich bin so stolz. Am liebsten würde ich gerne mal ganz vorne stehen, habe aber leider echt angst da in den moshpit zu geraten. Ich werde auch weiterhin versuchen jeden auftritt den ich wahrnehmen kann zu besuchen und mir diese wundervolle Musik anzuhören. Ich werde mitsingen, mitschreien und mitheadbangen, vielleicht etwas weiter hinten, aber immerhin. Ich kann jedem nur empfehlen, sich diese Band anzuhören und sie zu Supporten. Schließlich sehen die Tshirts echt klasse aus! Ich bin ein großer Fan!

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