Interview mit Birk Schöneich über „Hold On Tight“

Veröffentlicht am · Autor: Chris

Hey Birk, gerade habe ich mir deinen neuen Song angehört, der mir wirklich eine schöne, gefühlvolle Message kurz vor Jahresende mitgegeben hat. Worum genau geht es denn in deinem neuen Song und Musikvideo „Hold On Tight“?Birk Schöneich

Für mich ist der Titel, was den Text betrifft, vor allem ein Song an mich selber. Egoistisch nicht wahr? 😉 Wer mich kennt weiß, dass ich oft an mir selbst zweifle, das was ich tue immer wieder in Frage stelle, überdenke, ändere und mich oft unsicher fühle. Zumindest in bestimmten Dingen. Auf der anderen Seite gibt es auch für mich immer wieder Momente in denen ich mich gut fühle und ich denke ich kann es mit der Welt aufnehmen, was natürlich schnell in einem großen Fehler enden kann. Was ich jedoch vor allem in meinem letzten Jahr gelernt habe ist, dass es mir nicht hilft, mich immer unsicher zu fühlen, immer alles zu überdenken, immer alles nochmal umzudrehen und zu überlegen, ob das wirklich die richtige Entscheidung ist. Irgendwann muss man auch einmal einen Schritt nach vorne gehen und etwas wagen. Auch wenn es nicht perfekt ist, wenn bestimmte Sachen noch unklar sind, wenn sich bestimmte Dinge noch entwickeln müssen. Das kalte Wasser ist oft der beste Weg. Mit dem Titel „Hold On Tight“ wollte ich mir selber auch einmal zeigen und sagen, dass ich daran, wo ich hin will, auch festhalten und nicht schnell aufgeben sollte.
Birk SchöneichNun ist so ein Label gründen und sich um andere Bands kümmern, in einer Band zu spielen, selber Songs  schreiben und eine Ausbildung machen nicht gerade wenig. Das spüre ich oft genug an Leib und Seele. Aber das Gute daran ist: Ich komme mit sehr vielen Leuten in Kontakt, die etwas bewegen möchten. Menschen, die etwas eigenes machen, etwas verändern, eine andere Sicht auf Dinge haben, etwas schaffen und Ideen haben. In meinem Umfeld ist so viel los und ich würde gerne auf tausenden von Baustellen gleichzeitig arbeiten, auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig Tanzen und überall mitmischen. Aber das kann ich nicht. Deswegen muss ich meinen eigenen Weg dadurch finden. Natürlich sieht man einen Tagesablauf von mir, auch wenn der nicht vollends der Wahrheit entspricht 😉 , aber man bekommt auch einen klitzekleinen Einblick in das Leben um mich herum, meine Stadt Wuppertal und die Dinge die dort passieren. Und vielleicht habe ich am Ende des Videos ja auch meinen eigenen Weg gefunden, vielleicht auch nicht? Das liegt im Auge des Betrachters.

Einen deiner größten Träume scheinst du ja festzuhalten und zu leben. Wer oder was hat dich dazu bewogen ein Instrument in die Hand zu nehmen und weiterhin Musik zu spielen?

Musik machen ist einfach unbeschreiblich. Wer selbst Musiker ist, weiß wovon ich spreche. Der Moment in dem auf einmal alles aufgeht, man Gänsehaut bekommt und einen die Musik mitreißt ist einfach unübertroffen. Zumindest für mich. Mit meiner Band im Proberaum zu stehen, lange über die Songs zu diskutieren, umzuschreiben, neu zu schreiben und auszuprobieren bis es passt, ist manchmal sehr anstrengend, aber das hat mich nie aufgehalten. Wenn nämlich dann der Moment kommt, an dem es auf einmal passt, schreie ich immer vor Freude durch den Proberaum. Mitten im Song. Sehr zur Verwunderung meiner Mitspieler. Aber das Gefühl ist einfach der Wahnsinn! Wenn das dann auch noch auf der Bühne so klappt, ist alles super!

Was mich im Endeffekt dazu getrieben hat, immer mehr lernen zu wollen, neben dem Schlagzeug auch die Gitarre, das Klavier und den Gesang zu lernen waren einfach die Menschen um mich herum. Mein Vater ist Musiklehrer, von dem ich selbstverständlich viel mit auf den Weg gegeben bekommen habe. Ich hatte einen inspirierenden Schlagzeug-Lehrer, der mir sehr viele Freiheiten gegeben hat und mir trotzdem immer wieder aufgezeigt hat, was noch geht, was es noch alles gibt, wie wichtig alle Instrumente in einem Song sind und und und. Ich habe viele Freunde, die sich mit Musik beschäftigen, Platten sammeln, über Musik diskutieren und die mich immer unterstützt haben, in dem was ich tue. Das sind einfach Dinge die einem helfen und einen weitermachen lassen.

Gibt es Stellen in dem „Sound“ deines Lebens, denen du dich gerne stärker zuwenden würdest oder die du in Zukunft sogar komplett neu schreiben möchtest?

Wann ist man schon mit seinem Leben zufrieden? Natürlich gibt es die ein oder anderen Dinge, bei denen ich mir denke, dass es gut gewesen wäre, wenn ich sie nicht erlebt hätte. Aber wäre ich dann noch der, der ich jetzt bin? Alles was mir im Moment nicht an meinem Leben gefällt, was schief gelaufen ist, Fehler die ich gemacht habe, einfach alles Schlechte an meinem „Sound“ macht mich ja zu dem, der ich jetzt bin! Ich lerne viel, habe viele tolle Freunde, mache Musik, unterstütze andere Menschen dabei Musik zu machen und arbeite daran, die Welt um mich herum mit Musik zu füllen. Ich denke das ist ein guter Weg und ich bin mir sicher, dass ich das im Moment nicht gegen einen anderen Weg eintauschen möchte.

Ihr habt das Video hauptsächlich in Wuppertal gedreht. Was macht die Stadt für dich so besonders?

Wuppertal ist eine regnerische Stadt. Trist, trüb, grimmige Menschen, eine riesige Baustelle und an vielen Stellen sieht man nur graue heruntergekommene Fassaden, die nicht wirklich schön sind. Das ist die Beschreibung, die man aus vielen Mündern schon gehört hat. Das besondere an dieser Stadt jedoch ist, dass sie eben nicht nur das ist. Wer genau hinsieht, entdeckt hier lauter kreative Menschen, faszinierende Künstler, tolle Musiker, Menschen die eigenständig etwas auf die Beine stellen, wenn der Staat mal wieder die Kulturgelder kürzt, Menschen die etwas schaffen, grüne und bunte Parks (Wuppertal ist die grünste Stadt Deutschlands), Kneipenviertel mit viel Charme und und und. Man könnte Stundenlang die tollen Dinge in Wuppertal erzählen. Für mich ist das wichtigste, dass die Menschen hier die Dinge selber in die Hand nehmen, selber die Stadt entwickeln, selber neue Dinge gründen und natürlich: Selbst Songs schreiben. In dem Musikvideo wollten wir natürlich auch das besondere dieser Stadt darstellen und natürlich die Menschen, die hier etwas schaffen. Ich hoffe das ist uns gelungen!

Hold On Tight - Birk SchöneichIst beim Dreh alles glatt gelaufen?

Ja, natürlich! Ich hatte einfach ein richtig gutes Film-Team, um mich herum und viele tolle Menschen, die mich dabei unterstützt haben. Ich war teilweise überrascht von den Menschen um mich herum und bin ihnen dafür unfassbar dankbar! Ich erzähle da immer gerne die Geschichte vom kleinen Zahnrädchen. Jeder der mitgespielt hat, hat eine wichtige Rolle übernommen, denn wenn nur ein Zahnrad aufhört sich zu drehen, hören die anderen auch auf. Das ist unfassbar wichtig, gerade bei solchen Projekten, an denen einfach viele Menschen beteiligt sind. Und wir waren nun mal nicht zu zweit am Set. Aber es hat alles wunderbar geklappt, dank der Menschen, die so tatkräftig mitgeholfen haben.

What’s „UpTheHill Records“?

UpTheHill Records ist eine Geschichte. Eine Geschichte, die gerade beginnt. Vielleicht eine Geschichte mit traurigem Ende, vielleicht aber auch eine Geschichte mit Happy End. Letzteres wäre natürlich erstrebenswert. UpTheHill Records sind nicht nur die drei Gründer, Paul, Felix und ich, sondern eben auch alle Bands, die mit uns zusammen arbeiten. Unser eigentliches Ziel ist es, die Künstler, mit denen wir zusammen arbeiten, in den Dingen, die nicht direkt etwas mit der Musik selber zu tun haben, zu unterstützen. Das geht dann von der Öffentlichkeitsarbeit über Booking bis hin zu Info-Texten und Organisation. Wir stehen jedoch, wie schon gesagt, völlig am Anfang und müssen uns in viele Themen erst einmal einarbeiten. Somit konzentrieren wir uns derzeit vor allem erstmal darauf, ein Netzwerk zu schaffen, in dem wir agieren und für die Künstler einen Vorteil bieten können. Das ist unfassbar schwierig, langwierig und muss sich einfach erstmal entwickeln. Aber das kommt!

Ach ja – wie immer habe ich jetzt mal wieder vergessen die Frage nach dem Musik-Genre zu beantworten. Wir haben sehr lange darüber nachgedacht, ob wir uns auf ein Musik-Genre konzertieren sollten  bzw. möchten. Uns ist dabei klar geworden, dass wir das erstmal überhaupt nicht wollen, da wir verschiedene Musikstile einfach gut finden oder lieb gewonnen haben. Ich z.B. stehe sogar auf Heavy Metal. „Völliger Unfug“, möge der Eine sagen, aber für uns war es einfach wichtig, sich nicht einzuschränken. Wir möchten halt die „Standard“-Herangehensweise brechen und mit jeder Band zusammenarbeiten, die uns gefällt und mit der es Spaß macht, ein immer größer werdendes Gebilde um ihre Musik zu bauen.

Als Musiker ist man heutzutage nicht mehr unbedingt auf ein Label angewiesen. Warum habt ihr Up The Hill Records gegründet?

Sehr schwierige Frage! Hier meine Antwort: Natürlich ist man nicht zwingend auf ein Label angewiesen. Das ist klar. Ich kann als Musiker meine Musik im Netz vertreiben, meine Konzerte selber buchen, alles selber organisieren, selber Presseinformationen schreiben, selber mit den Veranstaltern Absprachen halten, selber ein Kommunikationsmodell aufstellen, selbst meine Kommunikationsziele definieren, selber meinen Weg durch dieses verrückte Musik-Business bahnen. Es kommt halt immer darauf an, wo man als Künstler hin möchte. Natürlich möchte jeder „ganz groß rauskommen“, seine Tracks sollen im Radio gespielt werden und er möchte endlich mal sein Album auf Vinyl gepresst haben. Aber dass das nicht mit einem Fingerschnippsen passiert, sollte ja jedem klar sein. Was wir machen ist vor allem eins: Erst einmal uns mit den Künstlern zusammensetzen und Ziele setzen, wichtige Punkte in der Laufbahn besprechen, die man erst einmal erreichen muss. Wir können nicht immer alles garantieren und wir sind selbst noch nicht in der Position alles ermöglichen zu können, aber wer weiß wo er hin muss, weiß schon einmal wo er langgehen muss. Und das ist bei den meisten Künstlern erst einmal ein wichtiger Schritt. Wir spielen natürlich damit ganz deutlich die „Management-Karte“, aber wir sind auch oft auf die Mitarbeit der Künstler angewiesen, eben weil wir auch noch am Anfang sind. Und ich denke das ist das, was uns als Label im Moment auch besonders macht. Wir werden so langsam eine Familie, sind sehr nahe an den Künstlern und arbeiten somit auch intensiv mit ihnen zusammen. Bei uns ist die Band nicht eine von zehn anderen und bekommt einmal alle drei Monate eine Status-Mail, sondern man steht im direkten Kontakt. Das ist uns sehr wichtig und ich denke, dass es den Bands auch sehr hilft und diese sich somit beruhigter auf ihre Musik konzentrieren können.

Kurz bevor das Jahr endet, gab es einige Neuveröffentlichungen über UpTheHill Records. Wie startest du mit deiner Musik, deiner Band und deinem Label im nächsten Jahr durch?

Für meine Musik und meine Band habe ich mir vorgenommen, dass ich 2016 wieder mehr vor Publikum spielen möchte. Nicht immer vor vielen Menschen, lieber vor kleinen Runden. Denn ich habe für mich festgestellt, dass die Konzerte im Wohnzimmer, die Konzerte im kleinen Café, die Konzerte vor Freunden oder Bekannten immer noch die schönsten sind. Und darauf freue ich mich jetzt schon! Wer interessiert ist …  😉

Was das Label angeht, steht für uns vor allem eines im Vordergrund: Netzwerken, netzwerken, netzwerken. Wir möchten natürlich mit möglichst vielen Menschen in Kontakt treten, die unsere Idee gut finden, unsere Künstler gut finden und mit denen man im 21. Jahrhundert noch verrückte Dinge machen kann. Konzerte in verrückten Locations, inspirierende Musikvideos, natürlich tolle Album-Produktionen und und und. Das steht für uns an vorderster Stelle! Denn damit können wir unseren Bands einen Mehrwert bieten.

Birk Schöneich

 

Ihr möchtet gerne mehr von Birk Schöneich hören und erfahren? Dann schaut auf seiner Seite vorbei: inicat.com/artists/birk-schoneich

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