Herbst In Peking und die Splitter der Schöpfung

Veröffentlicht am · Autor: Chris

Herbst in Peking? Ja genau, das ist die Band, die schon immer mit politischen Songs wie „Bakschischrepublik“ und einer grotesken Persiflage auf den Personenkult russischer, chinesischer und rumänischer Prägung im Bühnenprogramm auf Missstände hinwies und für einige ein Dorn im Auge waren. Manch einer wird sich vielleicht noch an das umstrittene Auftrittsverbot der Band kurz vor einem UNICEF-Benefizkonzert aufgrund der Massaker auf dem Tian’anmen-Platz in Peking im Juli 1989 erinnern.

Jetzt haben Herbst in Peking ihr neues politisches und philosophielastiges Studioalbum „Splitter der Schöpfung“ herausgebracht, weswegen wir uns Sänger Rex Joswig für ein Interview geschnappt haben, um mehr darüber zu erfahren.

Rex von Herbst In PekingHerbst in Peking gibt es schon seit fast 30 Jahren. Ihr habt neben zahlreichen Singles, EPs und musikalischen, politischen Kompilationsbeiträgen nun euer 5. Studioalbum „Splitter der Schöpfung“ veröffentlicht. Wie fühlt man sich, wenn man darauf zurückblicken kann?

Ich fürchte, dazu kann ich nichts sagen, da ich mir abgewöhnt habe, zurückzublicken auf das, was die Band betrifft. Zu viele schwarze Löcher in die man hineingezogen werden kann. Der unmittelbare Moment ist in den letzten 6 Jahren seit die Band wieder aktiv ist, immer wichtiger geworden. Der, in dem es passiert ohne Nostalgie für etwas, das mal war.

Wie ist es zur Schöpfung eures neuen Albums gekommen?

Splitter der Schöpfung CoverDurch viele glückliche Zufälle, die wir uns irgendwie auch verdient hatten. Unser Gitarrist King Snow machte mich vor fast 10 Jahren mit Thor Sten Beckmann bekannt, einem sehr talentierten Gitarristen mit Produzentenambitionen. Wir gründeten zusammen mit Hans Narva, Ex-HIP-Bassist, die Doom Shanty Kapelle The Hidden Sea und veröffentlichten 2011 das Album „Lighthouse Madness“ auf Peking Records/Moloko+. Herbst In Peking waren 2010 nach 10-jährigem Auf-Eis-Liegen wieder aufgetaut worden und Thor Sten Beckmann stieg ein, als Gitarrist & Produzent. Er ist verantwortlich für die Neuaufnahme des HIP-Klassikers „Shame“ 2011, „The Tyger & the Fly“(William Blake EP) 2014 und das aktuelle Album.

Wir, King Snow & ich oder die Person, mit der ich oft verwechselt werde, arbeiten gern mit ihm. Er ist der Splitter, der noch fehlte im HIP-Mosaik. Die wunderbaren Bassisten, Teofilos Fotiadis & Antti Jussi Savolainen, auf „Splitter der Schöpfung“ haben wir durch programmierte Zufälle in der Bar unseres Vertrauens & bei einem Autounfall kennengelernt. Das Leben kann auch spannend sein. Wir haben versucht Splitter zu sammeln, nachdem uns die Schöpfung um die Ohren geflogen war. Das klingt bestimmt nicht immer schön, war aber nicht anders zu machen. Stay tuned!

Welche Dichter und Denker haben die literarische Seite der neuen Songs inspiriert?

Dichter & Denker sind wir manchmal selbst. Immer offen für Einflüsterungen & vom Wind verwehte Melodien. Geholfen haben uns beim Splittersammeln oder selbst Splitter gewesen sind Fernando Pessoa in seiner Ausformung als Alvaro de Campos, Aleister Crowley, der extrembergsteigende, magische Poet & Rutger Hauer als Roy Batty in Bladerunner von Ridley Scott. Und viele andere, deren Namen wie Sterne funkeln.

Sicherlich kennt ihr den Satz des Philosophen Descartes: Ich denke, daher bin ich. In eurem Song „Ich bin Nichts“ beschreibt der Träger des Gedanken sich selbst als „Nichts“. Demzufolge müsste dieses „Nichts“ ja „Etwas“ sein. Wer oder was ist das „Ich“ also in eurem Song?

Worüber ich nicht reden kann, darüber muß ich schweigen.

Herbst In PekingWenn du einen Song auswählen müsstest, welcher würde dann die Band musikalisch als auch von euren Erlebnissen und eurem Lebensstil am besten beschreiben? Warum?

Ich bin nichts. Weil er die Perspektive des dritten Auges einnimmt. Kein Teil von Etwas sein, es nicht einmal wollen, nichts sein. Aus dem dritten Auge schauen. Besessen sein vom Schauen. Nichts tun, einfach nur am Fluß sitzen & zusehen wie die Leichen deiner Feinde vorüberziehen.

Insgesamt sind die Songs in „Splitter der Schöpfung“ im Vergleich zu eurem wohl bekanntesten Song „Bakschischrepublik“ deutlich ruhiger geworden. Wie kommt’s?

Wir arbeiten heute subkutaner, mit Hang zur Tiefe. Es brodelt mehr unter der Oberfläche.

Welche Höhepunkte und/oder Tiefpunkte haben euch über die Jahre hinweg als Band zusammengeschweißt und zu der gemacht, in der ihr jetzt seid?

„Worüber man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.“ (Ludwig Wittgenstein)

Wo und wann werdet ihr mit „Splitter der Schöpfung“ auftreten? Werdet ihr auch eure Klassiker spielen?

Wir spielen eine kleine Tour mit 5 Gigs zum Albumrelease Ende April/Anfang Mai, sind auf dem FUSION Festival Ende Juni und Ende September touren wir mit Phil Shoenfelt und Machine de Beauvoir. Klassiker & das neue Zeug in einer zwingenden Melange elektronisch hochgejazzt.
JOIN the SHOW, folks! Stay HIP!

29.04. Cottbus – Bebel (Record Release)
04.05. Bad Salzungen – Pressenwerk
05.05. Berlin – Jägerklause (Record Release)
06.05. Schwerin – Angler II
07.05. Salzwedel – Crazy World

Herbst in Peking 3

Das neue Album „Splitter der Schöpfung“ von Herbst in Peking könnt ihr hier vorhören und downloaden:

https://inicat.com/music/508

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