Frogcodile über die Entstehung von Refractions | Album des Monats Januar

Veröffentlicht am · Autor: Chris

Euer Album „Refractions“ ist diesen Monat frisch rausgekommen und am Samstag folgt noch eine fette Releaseparty. Bevor die aber starten kann, brauchen wir unbedingt noch ein paar Antworten von euch. 😉 Was sind denn „refractions“ und warum habt ihr diesen Namen gewählt?

„Refractions“ bedeutet so viel wie Lichtbrechungen. Der Text des Titelsongs unseres Albums beschäftigt sich mit dem Gedankenwirrwarr, dass man manchmal in seinem Kopf mit sich trägt. Oft weiß man nicht, was man mit unfertigen Gedanken anfangen soll und fragt sich welchen Sinn sie haben. In „Refractions“ singe ich metaphorisch vom Kopf als Prisma, welches gebündeltes weißes Licht in seine einzelnen, bunten Bestandteile bricht. Damit will ich ermutigen das bunte Gedankenwirrwarr in kreative Energie umzusetzen. Im Grunde ist es das, was passiert, wenn man Kunst schafft, also zum Beispiel Songs schreibt. Eindrücke von Außen prasseln auf uns ein und unser Unterbewusstsein verarbeitet sie. „Refractions“ kann dementsprechend als Sammlung der kreativen Produkte unseres Unterbewusstseins verstanden werden.

Bei einigen Bands schreiben ein oder zwei Personen die Songs so gut wie komplett alleine. Andere fangen bei null an und jammen die meisten Songs gemeinsam zusammen. Welche Sorte Band seid ihr?

Frogcodile

Bei uns ist es so, dass ich die Songs schreibe und mit fertigen, aber rohen Versionen in den Proberaum komme. Dann arrangieren wir die Songs gemeinsam. Oft ist es so, dass ein oder mehrere Elemente in einem Song unersetzlich sind, weil sie den Kern des Songs ausmachen. Das kann eine Basslinie sein, oder ein DrumGroove aber auch ein Gitarrenriff. Alles was nicht zu diesem unentbehrlichen Kern gehört wird von der ganzen Band gemeinsam gestaltet. Dieser Prozess ist besonders interessant, weil die Kreativität jedes einzelnen Bandmitglieds gefragt ist und man so zu einem einzigartigem Ergebnis kommt, was nur mit genau diesen vier Musikern zustande kommen konnte. Ich versuche also, nicht allein den Sound der nur in meinem Kopf ist so genau wie möglich zu reproduzieren, sondern möchte bewusst die Ideen der anderen in das Sounddesign einflechten, um einen unverwechselbaren Bandsound zu erzeugen.

Am Ende eures neu erschienenen Musikvideos zu „Refractions“ wird scheinbar enthüllt, wie euer Albumcover entstanden ist. Jedoch scheint das ein anderes Bild zu sein. Ist das offizielle Cover also tatsächlich durch alle Bandmitglieder erschaffen worden? Wie seid ihr überhaupt auf diese Idee gekommen?

Frogcodile - Refractions Album Cover
„Refractions“ ist hier erhältlich.

Um das visuelle Konzept haben sich die Jungs von M C F S W V gekümmert. Wir haben den beiden keinerlei Auflagen für die Gestaltung des Artworks gegeben, sondern wollten, dass sie sich von unserer hörbaren Kunst inspirieren lassen, damit Kunst dazu entsteht, die man anschauen kann. Beim Videodreh zu „Refractions“ wussten wir erst ein paar Minuten vor Drehbeginn, was sie mit uns vorhaben. In dem Studio, das im Video zu sehen ist, hing an der Wand eine leere Leinwand und auf einem Tisch davor, lagen Farben, Pinsel, bunte Pappe und andere Utensilien. Jedes Bandmitglied hat dann eine Karte mit einer Aufgabenstellung gezogen. Das waren zum Beispiel Sachen wie „Benutze deine Hände aber hinterlasse keine Handabdrücke!“ Dann haben wir ohne zu sprechen und ohne zu wissen, was die Aufgaben der anderen sind gemeinsam an dem Bild gemalt. Das Ergebnis ist die Grundlage für das Albumcover. M C F S W V haben es anschließend digital noch weiter verfremdet und auch das Booklet aus Teilen des Gemäldes entstehen lassen.

Vor der Enthüllung befinden sich auf dem Schleier abstrakte Zeichen. Was hat es damit auf sich?

Das Musikvideo und das resultierende Artwork können als Gesamtwerk gesehen werden. Dabei handelte es sich um ein Ping-Pong-Spiel zwischen Frogcodile und M C F S W V. Wir haben quasi die Stimmung des Songs visualisiert und der Spannung im Laufe des Songs angepasst. Die angewandte Methode ist inspiriert vom Songtext.

In „Human“ scheint ihr die Verwendung von Computern im alltäglichen Leben vieler, wenn nicht sogar der meisten, Menschen zu kritisieren. Man könnte wahrscheinlich auch sehr gut behaupten, dass viele von uns Menschen bereits Cyborg-ähnliche Eigenschaften angenommen haben, wenn man das Handy oder den PC als sehr wichtige Erweiterung des Gehirns ansieht. Was haltet ihr davon?

Wir kritisieren nicht per se die Verwendung von Computern im Alltag. In vielen Bereichen verbessern und erleichtern uns Computer alltägliche Situationen in unserem Leben. Allerdings ist es schon beachtlich und vielleicht auch ein wenig beängstigend, welchen Stellenwert die digitale Welt für uns bekommen kann und wie viel Verantwortung wir auf Festplatten abspeichern. „Human“ befasst sich deswegen hauptsächlich mit der Frage danach, wie viel Platz in einer sich mehr und mehr digitalisierenden Welt bleibt, um Mensch zu sein.

“Hope Is Where Frustration Is“ sticht besonders durch die rauen, “leisen” Schreie und den Lyrics hervor. Darin heißt es sinngemäß, dass das Hoffen einen vom Ziel bzw. echtem Glück abhält, aber für die Verstärkung der „leisen“ Schreie essentiell ist. Spielt ihr mit diesem Song gleichzeitig auf religiöses Hoffen/Glauben an? Was steckt dahinter?

Die falschen Hoffnungen, um die es in „Hope Is Where Frustration Is“ geht, können auf verschiedenste Arten interpretiert werden. Wir legen uns bewusst nicht auf eine Deutungsweise fest. Viele Menschen haben sicherlich schon Erfahrungen gemacht bei denen sie nach einer langen Phase der Hoffnung enttäuscht wurden und sich vielleicht nach dem Sinn dieser unerfüllten Hoffnung fragen. Genau dies thematisiert der Song. Ob das nun auf eine zwischenmenschliche oder karrierebasierte oder gar im religiöse Ebene hinweist, überlassen wir dem Zuhörer. Allerdings findet der Song meiner Ansicht nach ein trauriges Ende, da das „lyrische Ich“ es für sich als besser empfindet keine Hoffnung mehr zu verpüren.

Bald geht’s auf Tour. Wo wollt ihr hin und worauf freut ihr euch am meisten?

Wir freuen uns riesig auf die ganze Tour, die zum Großteil in Deutschland stattfindet. Allerdings haben wir auch ein paar Termine in Frankreich mit der Band „Golden Gasoline“, die Markus und ich vor einigen Jahren zufällig an der französischen Atlantikküste kennengelernt haben, als wir einen Straßenmusik-Trip unternommen hatten. Insgesamt erhoffen wir uns durch die Tour einige neue Zuhörer zu finden um unsere Musik in einem größeren Radius bekannt zu machen. Es macht uns unheimlich Spaß durch unsere Songs mit dem Publikum zu kommunizieren und hoffen viele Menschen begeistern zu können.

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