Feline & Strange und die „Truths“ | Album des Monats Dezember

Veröffentlicht am · Autor: Chris

„Bitterkeit, Aggression, Resignation und Angst bestimmen das Gesamtbild, und die so typische Selbstironie der Band schlägt in Zynismus um. Trotzdem bleibt ein Gefühl von Trost zurück, denn die herzzerreißenden Songs über den Tod und das Ende versichern: So schlimm ist das gar nicht, wenn man, ja, wenn man vorher richtig gelebt hat.“

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Hier geht’s zum Download von „Truths“

So wird das Album „Truths“ auf eurer Künstlerseite bei Inicat beschrieben. Was macht für dich denn ein „richtiges“ Leben aus?

Das muß jeder Mensch für sich selbst entscheiden. Für die eine ist es, möglichst jeden Tag etwas Neues zu erleben. Für den anderen, das Leben mit der großen Liebe zu verbringen. Für manche eine Kombination aus allem, was glücklich macht. Oder auch unglücklich. Hauptsache, es ist intensiv.

Beruhen alle Songs von „Truths“ auf wahren Begebenheiten?

Was ist denn wahr? Ich halte mich da an die Definition, die unter anderem Erich Kästner gab. Wenn ich eine Geschichte erzähle, die für mich eine wahre Bedeutung hat, ist sie wahr, auch wenn sie vielleicht erfunden ist. Aber tatsächlich enthält jeder Song mindestens eine Begebenheit im Text, die mir genau so wiederfahren ist. Eher mehr.

Gibt es einen Song, der eine sehr persönliche, früher eher unangenehme Wahrheit über dich
behandelt, die du früher mit Lügen verschönert hast?

Eigentlich alle. „Hands in my pockets“ ist nicht ohne Grund in der Ich-Form geschrieben. Ich habe immer das Gefühl, ich müßte doch etwas tun, mehr tun, um die Welt zu ändern. Und dann fühle ich mich wieder ganz winzig und ohnmächtig. „Lonely Girl“ ist auch sowohl meine persönliche Kontaktangst als auch das unsympathische „Stummer-Vorwurf-Spielen“. Hab ich alles schon gebracht, und mich dafür gehaßt. Den Rest dürft Ihr selbst raten.

In welchen Situationen würdest du sagen, dass es besser oder sogar richtig ist zu lügen, anstatt die volle Wahrheit zu erzählen oder die Wahrheit nur zum Teil preiszugeben?

Ganz einfach. Wenn es dem Zuhörenden besser geht mit der Lüge, und die Lüge folgenlos bleibt.

Andre Koch Schloss

Was hat dich zu diesem doch recht eigenartigen Musikstil getrieben und von der heutigen Popmusik ferngehalten?

Ferngehalten? Fühle mich gar nicht ferngehalten. Ist doch alles Geschmackssache. – Aber sicherlich merkt man, daß ich früher Opernsängerin und Tangoprofi war, und Christoph nicht nur Orchestercellist, sondern auch Punkschlagzeuger.

Eure Shows haben viel mit einer Theateraufführung gemeinsam. Was aber haben Aliens im Theater verloren?

Na alles! Wo sollten wir denn sonst sein? Im Kino etwa? Viel zu laut, die ganzen Explosionen. Und auf der Straße fallen wir doch gar nicht auf. So in Berlin. Es gibt übrigens auch ältere Musiktheaterwerke über Weltraumreisen. „Frau Luna“ zum Beispiel. Wir sind also nicht allein.


In einem früheren Interview, das mit dir gemacht wurde, habe ich mitbekommen, dass ein Kapuzenpulli bei euren Shows wohl eher nicht ins Bild passt. Wie sieht der Dresscode aus, den eure Zuschauer befolgen sollten?

Hauptsache, es macht Spaß. Komm nackt, wenn Du nicht frierst, oder im Ballkleid (au ja!), und den Kapuzenpulli trag ich manchmal selber (zum Reifrock). Aber tatsächlich spielen wir viel auf Steampunk-Festivals, wo das Korsettaufkommen und die Zylinderhutpräsenz im Publikum glatt höher ist als auf der Bühne. Das ist klasse.

Die Menschen werden in der Geschichte von „Truths“ nicht durch ein Raumschiff vernichtet, sondern schaffen das selber ganz gut alleine. Am 17. März wird euer neues Album erscheinen. Wie aber geht die Geschichte weiter?

Du willst wirklich, daß ich das Geheimnis lüfte?? Na gut. Aber das bleibt unter uns. OUT enthält einen Visaantrag zum weiteren Aufenthalt auf der Erde, inklusive der Anerkennung als intelligentes Leben. Die Frage ist: wer liest diesen Antrag? Und: Wird er gewährt? Und was, wenn nicht?


feline-vsFür das Album „Truths“ habt ihr auch extra eine Luxus-Steelbox mit Comicheft angefertigt. Warum gerade ein Comicheft?

Warum? Na, ich weiß nicht, warum. Ist halt Kunst. 🙂 Ich wollte eine zweite Ebene über die Musik und die Texte hinaus schaffen, oder anders gesagt, den Texten eine weitere Ebene verleihen. Ich komme eben von der Oper und bin es gewohnt, von Information erschlagen zu werden! Text, Musik, Kostüm, Bühnenbild, Schauspiel, und dann noch die Entstehungsgeschichte. Das gehört doch alles zusammen. Solche Werke will ich auch schaffen, und es ist mir herzlich egal, dass das in der Popmusik nicht üblich ist.

Außerdem hat ein Album für mich immer einen inneren Zusammenhang. Nenn es Konzeptalbum, wenn Du willst. Dazu gehört aber auch, dass das Konzept sichtbar wird. Es muss nicht immer so explizit sein wie hier, wo die Songs, wie schon auf SCIENCE FICTION, eine Geschichte ergeben, und die Band die Figuren der Story stellt. Manchmal bleibt es auch assoziativ und offen wie auf LIES mit der Verschwörungstheorie. Oder jetzt auf OUT mit dem Visumsantrag für die Erde. Hups, das ist ja doch konkret.

Und letztlich steht diese Ebene ja nur Käufern der Luxusedition zur Verfügung (plus hier dem glücklichen Gewinner!). Ich freue mich natürlich tierisch, wenn jemand die Musik liebt und runterlädt. Die funktioniert natürlich auch so, und wenn man aufmerksam hinhört, versteht man auch die Geschichte dahinter! Oder denkt sich eine ganz eigene aus.

Aber es gibt eben auch Leute, die immer nach dem Hintergrund suchen, nach dem roten Faden oder eben der zweiten Ebene. Geeks, so wie ich, und die meisten unserer Fans…! Und für die ist das Buch gedacht.

In Kürze: Es soll einfach noch mehr Intensität zum Album hinzufügen.

 

Wir verlosen heute ab 18:00 Uhr eins von Feline and Strange’s Comicbooks auf unserer Facebook-Seite.

Lasst euch das nicht entgehen und versucht euer Glück!

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