Cunning Mantrap über HAZMAT | Album des Monats

Veröffentlicht am · Autor: Chris

Wohoo, Cunning Mantrap, ihr seid einer der ersten beiden Bands, deren Album wir zum „Album des Monats“ gekürt haben. HAZMAT sprüht förmlich vor lauten, bluesigen Tönen und Rhythmen, die geballte Sozialkritik auf dem Rücken tragen. Wie waren eure Reaktionen und die eurer Fans auf euer Album, nachdem man HAZMAT endlich fertig hören konnte?

Phry: Als wir uns zum ersten Mal die gemasterten Versionen der Songs angehört haben, haben wir uns schon sehr gefreut, da alles klanglich stimmig rüberkommt! Die Reaktionen der Leute waren bisher durchweg positiv, was uns wichtiger ist, als zum Beispiel die der Kritiker, obwohl das Album denen in den meisten Fällen auch gefällt.

Was verbindet ein DNA-Strang, Gefahrgut (=HAZMAT) und eine Cunning Mantrap?

Cunning Mantrap - HAZMAT Albumcover
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Phry: Unsere Songs handeln oft von Problemen, die sich der Mensch aufgrund seines Wesens selbst schafft. Das ist natürlich sehr verallgemeinert, bildet aber die Grundlage für vieles, dass mir beim Schreiben in den Sinn kommt. Daher der DNA-Strang, da wir, denke ich, die Ursache für unser Leid von Anfang an in uns tragen.

Tobias (Bass), Phry (Gitarre, Gesang) und Lukas (Schlagzeug), welcher Song ist euer jeweiliger Favorit aus HAZMAT und warum?

Tobi: Mmmmhh also das ist schwierig, denn ich finde sie alle gut. Aber mein Lieblingssong ist Company, ich mag dieses funky feeling.

Phry: Meiner ist „The curse of the leaden tongue“. Ich mag progressive, lange Nummern und man kann sich bei Gigs und sogar im Proberaum richtig gut bei diesem Song verausgaben und abreagieren. Das ist manchmal genauso erholsam wie Urlaub!

Lukas: Ich schließe mich Phry an. „Curse“ ist der Hammer. Als ich neu in die Band kam, war das Album ja schon im Kasten und dieser Song hat mich beim lernen der Songs vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Als wir die Nummer das erste mal live gespielt haben und nichts schief gegangen ist, ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen (lacht).

Cunning Mantrap - HAZMAT live

In einem früheren Interview hat Phry bereits erwähnt, dass ihr eure Inspiration für euren Bandnamen aus dem Song „Testify“ von Rage Against The Machine gezogen habt. Cunning Mantrap könnte man doch bestimmt als „ausgeklügelte Menschenfalle“ übersetzen, oder? Wen oder was symbolisiert diese Falle?

Phry: Das kann von Mensch zu Mensch verschieden sein. Gerade wegen dieser Ambivalenz habe ich den Namen dann auch ausgewählt. Für mich persönlich würde ich ungezügeltes Verlangen jeglicher Art nennen. Darauf lässt sich letztendlich sehr viel zurückführen.

Tobi: Also für mich ist es unser Wirtschaftssystem. Nicht nur, dass man ab der Geburt einfach drin hängt und abhängig davon ist. Nein die meisten Menschen sind auch noch über die Art ihrer Versklavung stolz und freuen sich, wenn sie andere „niedere“ Sklaven dominieren können!

Lukas: Mir kam damals als erstes die Idee, dass die Musik einfach so „ausgeklügelt“ oder „gerissen“ ist, dass sich ihr einfach keiner entziehen kann. Man wird quasi von ihr gefangen und kann sich nicht mehr befreien.

Mit „Red“ legt ihr einen düsteren, schnellen und bluesigen Kickass-Start in euer Album HAZMAT hin. Passenderweise habt ihr dazu ein Musikvideo gedreht, das eine Szene aus einem der Purge-Filme sein könnte. Beim ersten Mal anschauen wirkt es so wie eine visuelle Darstellung von Kapitalismuskritik und blindem Konformismus. Worauf bezieht ihr euch und was wollt ihr mit diesem Song aussagen?

Phry: Man könnte meinen, dass wir positiv gegenüber Gewalt an denen stehen, die momentan Macht ausüben und diese missbrauchen, wenn man das Video sieht. Allerdings wollten wir damit nur zeigen, dass es unvermeidlich sein wird, dass es irgendwann zu gewaltsamen Ausschreitungen kommen wird, wenn sich nicht bald etwas ändern wird und wirkliche Veränderung auch von Oben ausgehen wird. Die Geschichte hat das schon zu oft bewiesen und irgendwann reichen auch die ganzen technischen Spielzeuge und all unser „Entertainment“ nicht mehr aus, um die Leute bei der Stange zu halten. Die Menschen werden dann allzu gerne in die Barbarei zurückfallen, weil sie als große Masse nicht mehr so handeln, wie als Individuen. Deshalb liegt es hauptsächlich in den Händen derer, die momentan wirklichen Einfluss ausüben, uns nicht weiter von oben herab zu behandeln und zu verachten, denn das tun sie fast alle, auch wenn sie das nicht zugeben wollen.

cunning-mantrap-hazmat-interviewAlle eure Songs scheinen bis zu einem gewissen Grad Gesellschaftskritik zu enthalten. Auch wenn die Gründe in diesen paar Zeilen wohl kaum so einfach erklärt werden können: Worin seht ihr zentrale Probleme der heutigen bzw. was sollte sich dringend verändern?

Tobi: Also das wird jetzt lang… Zunächst einmal muss man sich fragen, was denn das „Ziel“ unserer Gesellschaft sein soll. Denn es gibt bisher keinen Wertekanon auf den sich die Menschen als Gesellschaft geeinigt hätten und auch keinen „ultimativen Endzustand“ den es zu erreichen gilt. Das hat zufolge, dass rein wirtschaftliche Vorgänge und Interessen von Interessengruppen wie Hedgefonds, oder großen international agierenden Konzernen (oder einfach von Gruppen welche über Zugang zu sehr viel Kapital verfügen) die Interessen quasi vorgeben und die Politik, also die Menschen darauf immer nur reagieren und sich somit unterwerfen. Das Ergebnis ist katastrophal, denn so haben sich verschiedene Gruppen gebildet mit völlig gegensätzlichen Ideologien welche für sich selbst den Anspruch stellen „die einzig wahre Ideologie“ zu sein und somit das Recht haben andere zu dominieren. Das führt zu Nationalismus/Rassismus, Umweltverschmutzung, Massenarmut etc.

Zurück zu eurer Band: Welche Wege schlägt Cunning Mantrap in naher Zukunft ein?

Phry: Wir werden nächstes Jahr sehr viel live spielen und wahrscheinlich auch einige Festivals im Sommer mitnehmen. Wir möchten uns einfach so vielen Menschen wie möglich präsentieren und als Menschen und Künstler weiter wachsen. Parallel dazu entstehen auch schon wieder neue Songs!

Was wollt ihr der Welt jetzt noch unbedingt mitteilen?

Phry:Ich möchte alle Menschen, die auf gute, ehrliche Musik jeglicher Art stehen, darum bitten, neuen, noch unbekannten Bands und Künstlern mehr Beachtung zu schenken. Bei wirklich großen Bands und Acts sind die Leute bereit immer mehr für Konzerte und Merchandise zu bezahlen, doch in 10 bis 15 Jahren wird es keine Iron Maidens, Metallicas und Chili Peppers mehr geben und bis jetzt sieht es bei wirklich legitimen Nachfolgern dieser Größen, bis auf einige wenige Ausnahmen eher schlecht aus. All diese Bands konnten sich während ihrer Anfangstage auf interessierte, engagierte Leute verlassen, die Konzerte besuchten, Musik zu fairen Preisen kauften und anderen Menschen von ihnen erzählt haben. Wenn die Leute in Zukunft nicht ausschließlich von gecasteten Clowns und Eintagsfliegen bespasst werden, und längst vergangenen Zeiten hinterhertrauern möchten, müssen wieder mehr Leute auf kleinen Konzerten anzutreffen sein. Wir sprechen da aus Erfahrung!

Lukas & Tobi: Isso!!!

Gewinnt 5 x 2 Gästelistenplätze für das Konzert von Cunning Mantrap am 11.02.2017 im MTC in Köln. Wie interpretiert ihr das Musikvideo „Red“ für euch? Um teilzunehmen, schreibt einfach bis zum 19.12.2016 einen Kommentar mit eurer Interpretation unter diesem Beitrag oder dem offiziellen Post auf der Inicat-Facebookseite. Cunning Mantrap wird dann die Personen mit den schönsten Interpretationen zu Gewinnern ernennen.

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